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10.01.2017
Interview Tobias Pfendler - „Durch Innovationen geprägt“

TOBIAS PFENDLER – Antriebshersteller achten sehr häufig auf Tradition und Herkunft. Wie Dunkermotoren diese Faktoren immer noch lebt, sich aber selbstbewusst den modernen Herausforderungen stellt, erzählt der Leiter Produktstrategie und Marketing.

Das Gespräch führte Michael Kleine, Zeitschrift :K

Herr Pfendler, Komponentenhersteller befinden sich heute ja auf dem Scheideweg zwischen klassischem Portfolio und den Anforderungen der Zukunft. Lassen Sie uns mit dem Werdegang von Dunkermotoren bis jetzt beginnen…

Begonnen hat alles im Nebenraum einer Schreinerei in Bad Godesberg bei Bonn, als der 34-jährige Christian Dunker zusammen mit seinem Bruder begann, Elektromotoren zu bauen. 1955 erfolgte der Umzug nach Bonndorf im Schwarzwald, und in den Wirtschaftswunderjahren wuchs das Unternehmen rasch zu einem bedeutenden Hersteller der Antriebstechnik. Nach dem Tod des Firmengründers wurde Dunkermotoren Teil der Alcatel/SEL-Gruppe und hat sich weiter zu einem globalen Player entwickelt. Seit 2012 sind wir Tochter der amerikanischen Ametek-Gruppe. Heute hat das Unternehmen Standorte in Bonndorf, Subotica in Serbien, Taicang in China und Mount Prospect in USA.

Was bedeutet dabei die Verwurzelung in einer Region wie bei Ihnen dem Schwarzwald?

Dunkermotoren ist auch heute noch stark mit der Region verbunden. In Folge der früher im Schwarzwald ansässigen Uhrenindustrie bietet die Region heute hervorragende Zulieferer im Bereich von mechanischen Präzisionsteilen. Die schwierige Verkehrsanbindung fällt bei den wenig voluminösen Teilen und Produkten dabei wenig ins Gewicht. Auch während des Aufbaus neuer Werke in Serbien und China wird der größte Produktionsstandort Bonndorf im Südschwarzwald mit inzwischen rund 800 Mitarbeitern stets weiter ausgebaut und gestärkt.

Und was bedeutete dabei die Übernahme durch den US-Konzern Ametek? Wo liegen die Chancen einer solchen Veränderung?

Dunkermotoren ist das größte Unternehmen im Verbund des Ametek-Konzerns, und wird als eigenständiges Unternehmen und eigenständige Marke weiter expandieren. Vor allem auf dem amerikanischen Markt können wir aber von der Expertise und Präsenz unserer Konzernmutter profitieren.

Wie hat sich dadurch das Produktportfolio entwickelt? Welche Meilensteine fallen Ihnen dazu in der Geschichte von Dunkermotoren ein?

Das Unternehmen war stets durch Innovation geprägt, bereits 1956 fertigte Christian Dunker eisenlose DC-Motoren nach dem Prinzip Glockenanker, es wurden diverse Patente auf die Technik angemeldet. Im Jahre 1977 folgten erste Planetengetriebe, und 1985 setzte Dunkermotoren mit den ersten vierphasigen bürstenlosen DC-Motoren neue Maßstäbe. Der Grundstein für die im Rahmen der vierten industriellen Revolution wichtige Dezentralisierung von Intelligenz wurde 1999 gelegt, mit der Einführung von EC-Motoren mit integrierter Steuerung und Sensorik.

Wie muss ein Antriebshersteller überhaupt heute aufgestellt sein? Was für Anforderungen stellt der Kunde heute?

Nach wie vor ist ein umfassender modularer Baukasten wichtig, um Kunden für jede Anforderung die passende Lösung bieten zu können. Daher entwickelt und fertigt Dunkermotoren seit Jahrzehnten neben Elektromotoren auch Getriebe, Geber und Bremsen. Das allein reicht heute jedoch nicht mehr aus, mit dem Ausrollen unserer neuen Motion-Control-Platform werden wir den Fokus weiter auf unsere Kompetenz im Bereich der integrierten Motor-Controller und dazugehörender Software richten. Außerdem ist für viele Kunden unsere globale Präsenz ein zunehmend wichtiges Entscheidungskriterium.

Welche Branchen beackert Dunkermotoren vor allem? Wo liegen dabei Ihre Stärken oder sogar Alleinstellungsmerkmale? Wo sehen Sie weiteres Potenzial für die Zukunft?

Dunkermotoren liefert Antriebe in alle industriellen Branchen, wobei der Maschinen- und Anlagenbau wichtigster Innovationstreiber ist. Daneben sind auch die Bereiche Medizintechnik, Bahntechnik und Gebäudeautomatisierung bedeutende Wachstumsmärkte für Dunkermotoren. Dabei ist unser Unternehmen in den meisten Märkten zwischen den Premium-Herstellern auf der einen und den asiatischen Billiganbietern auf der anderen Seite positioniert. Damit bieten wir unserem OEM-Kunden im Stückzahlbereich von 100 bis 100.000 Antrieben in den meisten Anwendungen ein optimales Preis-Leistungs-Verhältnis.

Das leitet in die jüngere Gegenwart und weiter in die Zukunft in Richtung der unvermeidlichen Industrie 4.0. Wie wird sich die Antriebstechnik unter diesen neuen Voraussetzungen in der Zukunft gestalten oder auch neu ausrichten müssen?

In der Fabrik von morgen verschwimmen die Grenzen innerhalb der Automatisierungspyramide und darüber hinaus, von der Feld über die Unternehmensebene bis hin zum Endverbraucher. Diese Entwicklung basiert auf dem Internet der Dinge, zu welchem auch unsere Servomotoren mit den entsprechenden Ethernet-Schnittstellen gehören. Durch den erhöhten Vernetzungsgrad, den Einsatz cloudbasierter Plattformen und die Dezentralisierung von Rechnerleistung entstehen ganz neue Möglichkeiten hinsichtlich Analyse und Nutzung der vom Motor zur Verfügung gestellten Daten und auch der Nutzung des Motors selbst für autonom ausgeführte Aufgaben.

Wie muss sich Dunkermotoren dazu weiterentwickeln? Welche Aufgabe sehen Sie auf das Unternehmen zukommen, zum Beispiel auch bei Vertrieb, Marketing oder Digitalisierung?

Für einen Komponentenlieferanten wie Dunkermotoren ist der Wandel in Entwicklung und Produktion nicht frei von Risiken, bringt aber vor allem erhebliche Chancen mit sich. Wir sind hierfür bestens aufgestellt, bereits seit über zehn Jahren Vorreiter bei intelligenten Motoren mit Feldbusschnittstellen und realisieren damit mit unseren Kunden bereits seit langem die im Rahmen von Industrie 4.0 diskutierten Ansätze. Viele Kunden legen auf unseren Motoren schon heute definierte Fahrprofile ab, die auf lokale Eingänge reagierend selbstständig ablaufen und nur zur Rückmeldung oder bei Störung mit übergeordneten Systemen kommunizieren. Für den Vertrieb und die gesamte Organisation liegt die Herausforderung insbesondere darin, weltweit ein hohes Level an kompetentem und kundengerechten Support zu bieten.

Sind Sie fit für die Vernetzung? Was müssen Ihre Motoren dazu noch lernen? Wie steht es dabei mit der Sensorik?

Vor allem die Strom- und Temperaturmessung sind bedeutend für die Überwachung und Ausgabe von Energie- und Performance-Daten, insofern ist die notwendige Sensorik bereits heute im Motor enthalten, und auch softwareseitig ist Energy und Condition Monitoring bereits realisiert und wird genutzt. Weitere hilfreiche Software-Funktionalitäten befinden sich in der Umsetzung. Die Bereitstellung der zum jeweiligen Zeitpunkt vom Markt geforderten Kommunikationsschnittstellen und Protokolle sehe ich hierbei als wesentliche Herausforderung für Dunkermotoren. Das Ziel ist die Vernetzung vieler Komponenten in Echtzeit, so dass gesammelte Daten optimal genutzt werden können und ein digitaler Schatten des Systems abgebildet werden kann. Auch die drahtlose Anbindung wird zumindest für Wartungs- und Servicezwecke eine Rolle spielen. Unabhängig davon machen wir uns intensiv Gedanken zu neuen Antriebskonzepten zur Ermöglichung einer bedarfsorientierten Verteilung von Energie innerhalb von Produktionsanlagen bei gleichzeitiger Optimierung der Anschaffungskosten.

Gibt es solche zukunftsorientierten Produkte vielleicht schon bei der SPS IPC Drives 2016 zu sehen?

Unsere smarten Motoren mit integrierter Sensorik und Steuerung präsentieren wir an der SPS-Messe erstmalig auch mit Profinet als zusätzliche Industrial Ethernet Schnittstelle. Allerdings konzentrieren wir uns nicht nur auf die Herausforderungen von Industrie 4.0, auch im Bereich unseres klassischen Motor- und Getriebeportfolios stellen wir neue Innovationen vor, wie zum Beispiel unseren kleinen eisenlosen 22-Millimeter-BLDC-Motor mit integrierter dGo-Elektronik und verstärkte Planetengetriebe für noch höhere übertragbare Momente. Weiterhin im Fokus stehen auch unsere neuartigen dreiphasigen tubularen Lineardirektantriebe, ebenfalls mit integriertem Geber und Ethercat- sowie CANopen-Reglern.



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